Samstag, 20. Juli 2019

Eine Kurzgeschichte

Eine Kurzgeschichte (Thriller)

(Autor: Robert Rickler Regensburg)


Diese Kurzgeschichte ist frei erfunden.
Die Personen und die Handlung dieser Kurzgeschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig. Diese Kurzgeschichte dient nur der Unterhaltung des Lesers.


Das Gespräch


"Guten Tag, ich heiße..."
"Keine Namen, sie heißen X, ich heiße Y."
"Also gut Herr Y, man hat mich an sie verwiesen. Mein Ehemann braucht dringend ein Spenderherz. Im Krankenhaus hat man mir gesagt, dass er nicht auf die Empfängerliste kommen kann, da er bereits Alkoholprobleme hatte. Jemand hat mir gesagt, ich soll zu Ihnen gehen, aber das Ganze wird viel Geld kosten."
"Da hat er völlig recht, das Ganze wird nicht billig. Damit kommen wir gleich zur ersten und wichtigsten Frage: Wieviel Geld haben sie?"
"Geld spielt keine Rolle."
"Selbstverständlich werden wir das überprüfen..."
"Selbstverständlich."
"Aber wenn sie die Wahrheit gesagt haben, dann hat Ihr Ehemann innerhalb weniger Tage ein neues Herz. Es gibt einen schönen Spruch, der es auf den Punkt bringt: Wer reich ist, darf leben, wer arm ist, muss sterben. Es gibt viele Idioten, die allen Ernstes behaupten, man könne Gesundheit nicht kaufen."
"Ähh, bedeutet das etwa, dass jemand getötet werden muss, damit mein Ehemann ein neues Herz bekommt?"
"Sie stellen zu viele Fragen. Das sollten sie sich besser abgewöhnen. Aber wenn Sie es unbedingt wissen wollen: Spenderherzen wachsen nicht auf Bäumen. Wer ein Omlett machen will, muss Eier zerschlagen. Falls Sie dadurch einen Gewissenskonflikt haben, wir können das Ganze auch abblasen."
"Nein, nein, schon gut. Wenn es die einzige Möglichkeit ist, dann ziehen wir das durch."
"Sie sind eine kluge Frau. Wir machen gerne Geschäfte mit klugen Leuten, denn die wissen ganz genau, dass man uns niemals hintergehen darf!"
"Was mich aber überrascht, ist, dass das Ganze so schnell geht, der kuze Zeitraum, in dem Sie das Herz beschaffen können. Ich habe zwar davon gehört, dass Ihr im Ausland Leute entführt und ihnen die Organe entnehmt. Aber es dauert doch, bis man den passenden Spender gefunden hat?"
"Sie stellen schon wieder zu viele Fragen. Aber was soll's. Sowas haben wir vor Jahren gemacht, aber inzwischen ist die Beschaffung der Organe ganz leicht geworden. Was viel Geld kostet, sind die Schmiergelder."
"Häh?"
"Sie haben doch sicherlich im Fernsehen diese Geschichte gehört von REFUGEES WELCOME. In Wahrheit sollte der Spruch aber ORGAN DONORS WELCOME heißen."
"Äh, Moment, soll das heißen, dass die Millionen Flüchtlinge von Euch nach Deutschland geholt wurden?"
"Ich hatte doch gesagt, Sie sind eine kluge Frau. Die Kandidatin erhält einen Punkt. Mit zwei Punkten hätte sie eine halbe Waschmaschine gewonnen, aber die Kreissäge muss die Kandidatin selbst mitbringen."
"Ha, ha, sehr witzig. Aber es war doch die Kanzlerin Mantel, die die Flüchtlinge..."
"Organspender"
"...nach Deutschland geholt hat. Heißt das, sie hat auch Schmiergeld bekommen?"
"Über dieses Detail bin ich nicht informiert, aber ich habe Gerüchte gehört, dass das gar nicht notwendig war."
"Ähh?"
"Ganz einfach, viele Regierungschefs haben das gleiche Problem, das ich als das Johnson-Problem bezeichne."
"Was meinen Sie damit?"
"Nun, Präsident Johnson hatte ja den Vietnamkrieg angefangen."
"Das ist allgemein bekannt. Aber was hat das damit zu tun?"
"Johnson bekam jeden Tag ein Briefing über die Ereignisse in Vietnam. Aber jedes Mal, wenn er schlechte Nachrichten bekam, rastete er vollkommen aus und brüllte herum. Also hat man ihm einfach nur noch die guten Nachrichten erzählt. Dadurch verlor er den Bezug zur Realität. Er driftete immer mehr in eine Phantasiewelt ab, in der alles in bester Ordnung war. Es sind ja gerade die schlechten Nachrichten, die wichtig sind, um die Situation zu erfassen."
"Aber Mantel ist nicht gerade dafür bekannt, dass sie rumbrüllt."
"Nein, aber sie ist auch nur ein Mensch. Und jeder Mensch umgibt sich gerne mit Ja-Sagern und Speichelleckern."
"Ja, das stimmt. Dadurch hat man das Gefühl, mächtig zu sein. Niemand kriecht einem bedeutungslosen Menschen in den Arsch. Ich kenne das aus eigener Erfahrung."
"Eben! Aber damit ist der erste Schritt in eine Phantasiewelt getan. Nur wenige Regierungschefs besitzen genügend Charakter, um die Überbringer schlechter Nachrichten nicht schlecht zu behandeln. Das führt zu Abschreckung und so wird der Informationsfluss gefiltert. Jeder Regierungschef ist gefährdet, im Laufe der Jahre langsam von der Realität wegzudriften."
"Aber was hat das jetzt mit Organspende zu tun?"
"Ganz einfach, man muss nur die Leute kontrollieren, die den Informationsfluss kontrollieren. Das ist der Punkt, wo Schmiergelder zum Einsatz kommen. Oder Erpressung oder andere Informationen als Tauschmittel usw. Das ist alles ein riesiges Netzwerk, alles hängt miteinander zusammen."
"Heißt das also, Ihr kontrolliert die Leute, die den Informationsfluss kontrollieren? Und so manipuliert Ihr die Regierung?"
"Exakt! Und diese Sache mit diesem REFUGEES WELCOME war unser Meisterwerk der Manipulation. Mantel wurde gezielt mit Informationen versorgt, die ein Bild zeichneten, welches zwangsläufig zu dem logischen Schluss führte, dass es erstens absolut notwendig ist, diese Flüchtlinge nach Deutschland zu holen, was nebenbei erwähnt ein klarer Verstoß gegen EU-Recht war, aber wen interessiert EU-Recht, und zweitens, dass die Bevölkerung zu praktisch hundert Prozent diese Entscheidung unterstützt und die paar Gegner nur bedeutungslose Spinner sind."
"Mantel ist also selbst zu dem logischen Schluss gekommen, die Flüchtlinge, ich meine Organspender nach Deutschland zu holen."
"Genau! Sie glaubt also, es war ihre eigene Entscheidung, dass sie das Richtige getan hat. Innerhalb ihrer Phantasiewelt war es auch die richtige Entscheidung, aber sie hatte keine Ahnung, dass sie manipuliert wurde. Logik ist immer abhängig von den Voraussetzungen. Wenn die Voraussetzung eine Phantasiewelt ist, kommt man zu anderen Ergebnissen, als wenn die Voraussetzung die Realität ist. Menschen begeben sich gerne in Phantasiewelten, doch wenn man die Grenze zwischen Phantasie und Realität nicht mehr erkennt, dann hat man ein Problem."
"Ok, bis hierher komme ich mit, aber ..."
"Das Beste habe ich noch gar nicht erzählt: Wir kassieren doppelt! Einmal für die Schleusertätigkeit, und das ist sehr lukrativ, und durch den Verkauf der Organe. Und die Kosten bezahlen die Steuerzahler."
"Und Leute wie ich."
"Yep, aber Sie können sich nicht beschweren. Sie erhalten bei uns einen erstklassigen Service, ein Organ von guter Qualität und eine hochprofessionelle medizinische Dienstleistung. Das Vertrauen unserer Kunden ist unser Kapital."
"Na gut, so weit, so gut. Damit sind wir wieder bei unserem Thema. Aber wie finden Sie so schnell einen passenden Spender? Das braucht doch Zeit."
"Sie stellen schon wieder zu viele Fragen. Aber wie ich bereits sagte, ein riesiges Netzwerk. Und die Ärzte, die aus reiner Selbstlosigkeit in den Flüchtlingslagern Freiwilligendienst schieben, sind auch in dem Netzwerk. Denken Sie wirklich, dass ein Arzt, der einen schlecht bezahlten Krankenhausjob hat, mit vielen unbezahlten Überstunden - es ist ja wirklich erbärmlich, wie die Ärzte in Deutschland behandelt werden - auch noch die Zeit hat, ohne Bezahlung oder mit lächerlicher Bezahlung Dienst in einem Flüchtlingslager zu schieben? Wir geben ihm einen finanziellen Anreiz."
"Und wie?"
"Nun, jeder Flüchtling wird medizinisch untersucht und dabei werden unter anderem so nebenbei die Laboruntersuchungen gemacht, bei denen die relevanten Daten erfasst werden, die unsere Ärzte für die Organtransplantation brauchen. Und diese Daten kaufen wir den Ärzten ab. Damit ist deren Teil erledigt. Und oh Wunder über Wunder, plötzlich fährt so ein schlecht bezahlter Arzt einen Mercedes S-Klasse oder hat plötzlich eine Finanzierungshilfe für eine eigene Praxis."
"Ah, verstehe, so findet Ihr also den Spender. Deshalb geht es so schnell. Aber die Spender werden das Organ nicht freiwillig hergeben."
"Wir sagen ihnen das natürlich nicht."
"Ja, das habe ich mir schon gedacht. Aber das muss doch auffallen, wenn jemand plötzlich verschwindet."
"Tja, wie ich schon sagte: ein riesiges Netzwerk."
"Ok, ich bin ganz Ohr."
"Jetzt kommen die selbstlosen Flüchtlingshelfer zum Einsatz."
"Moment, heißt das, die sind auch auf Eurer Gehaltsliste?"
"Nicht alle, aber es werden immer mehr. Sie erhalten Provision."
"Aber was ist, wenn einer von denen zur Polizei geht?"
"Das Ganze funktioniert natürlich nur mit einem ausgeklügelten Schmiergeldsystem. Und wenn es nicht anders geht, inszenieren wir eben einen Autounfall. Leichteste Übung."
"Also das System ist durchdacht."
"Yep. Der Flüchtlingshelfer hat die Aufgabe, den Spender zu manipulieren. Am Besten funktioniert es, wenn es eine Flüchtlingshelferin ist."
"Ja, ja, wir Frauen sind gut im manipulieren."
"So ist es, da haben Sie recht. Die Flüchtlingshelferin schläft mit dem Kandidaten und erschleicht so sein Vertrauen. Solche Macho-Typen sind ganz leicht um den Finger zu wickeln. Dann erzählt sie ihm, dass sie jemanden kennt, der jemanden kennt usw., der einen Job vermitteln kann, der auf einen Schlag viel Geld bringt, z.B. Drogenkurier oder sowas. Aber dafür muss er untertauchen, weil es ja illegal ist. Sie bietet ihm an, zur Tarnung regelmäßig etwas Geld an seine Verwandten in seinem Heimatland zu überweisen, damit alle denken, dass er immer noch in dem Lager ist. Und sie sagt ihm, er soll allen anderen erzählen, dass er in eine andere Stadt umzieht. Also im Lager wird ihn niemand vermissen und in seiner Heimat auch nicht. Damit würde jede polizeiliche Ermittlung ins Leere laufen."
"Aha, ich verstehe."
"Er wird natürlich mitspielen, denn die Geldgier tut ihr übriges. Wenn alles vorbereitet ist, bringt sie ihn zu einem Treffpunkt, dort übernehmen dann unsere Leute. Sie wird dann für etwa 1 bis 2 Jahre regelmäßig kleine Geldbeträge an seine Verwandten überweisen, damit die glauben, er wäre noch am Leben."
"Alles gut durchdacht, bleibt nur noch die Leiche. Was macht Ihr damit?"
"Wie Sie ja sicher wissen, ist auf vielen Bauernhöfen ein Misthaufen. Das ist ein ökologisches System mit organischen Säuren. Da wird jeder Kadaver vollständig aufgelöst."
"Auch die Knochen?"
"Auch Knochen und Zähne, das einzige, was bleibt, sind möglicherweise Goldfüllungen in den Zähnen. Deshalb wird der Spender genau untersucht. Die Goldfüllungen sind dann ein kleiner Bonus für das Personal. Der Auflösevorgang dauert etwa ein Jahr."
"Ach, deshalb die Überweisungen für 1 bis 2 Jahre."
"Genau, wenn die Verwandten im Heimatland anfangen, sich zu wundern, ist keine Leiche mehr vorhanden. Jede Vermisstenanzeige läuft ins Leere. Das einzige, was noch existiert, ist das verpflanzte Organ."
"Und das ist auch das einzige, was zählt. Wann geht es los?"
"Als erstes brauchen wir die Patientendaten von Ihrem Ehemann."
"Die habe ich hier, sind aber nur Fotokopien."
"Fotokopien sind völlig ausreichend. Hauptsache man kann alles gut lesen. Ich schau mal... ja, die relevanten Daten sind gut leserlich."
"Schön."
"Sorgen Sie dafür, dass wir Ihren Mann jederzeit abholen können, Papierkram usw. Sie wissen schon. Wir geben Ihnen kurz vorher Bescheid. Keine Sorge, wir haben gut ausgestattete Krankenwägen mit gutem Personal."
"Und das Geld?"
"Das übergeben Sie uns, wenn die Operation beginnt. Sie können gerne dabei zuschauen. Der Operationssaal hat ein Fenster für Zuschauer."
"Kann ich die ganze Zeit bei meinem Mann bleiben?"
"Natürlich, Sie bekommen den besten Service, vorausgesetzt, Sie bezahlen dafür."
"Ich sagte schon, Geld spielt keine Rolle. Dann sind wir uns also einig?"
"Ja, halten Sie nur das Geld bereit, in kleinen Scheinen. Auf Wiedersehen."
"Auf Wiedersehen."





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